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„Musik des Ghettos – Musik der Bibel“: Die Neue Jüdische Schule in Russland und in Europa (1908–1938)

04.06.2014

Vortrag von Prof. Dr. Jascha Nemtsov im Seminar für Jüdische Studien. In Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Leopold Zunz

Mittwoch, 4. Juni 2014, 19.30 Uhr im Seminar für Jüdische Studien, Großer Berlin 14, Halle

1908 wurde in St. Petersburg eine „Gesellschaft für jüdische Volksmusik“ gegründet. Mehrere bedeutende jüdische Komponisten schlossen sich ihr an. Diese Gruppe entwickelte einen national geprägten jüdischen Stil, der Elemente der jiddischen Folklore und Synagogenmusik mit Formen der europäischen Kunstmusik verband. Während jüdische Kultur in Russland nach der bolschewistischen Revolution einer zunehmenden Unterdrückung ausgesetzt war, wurde der deutschsprachige Kulturraum zum wichtigsten Wirkungsgebiet dieser Richtung. Ihr durchschlagender künstleri­scher Erfolg war jedoch nur von kurzer Dauer: durch den Nationalsozialismus und den Stalinismus wurde diese vielversprechende Entwicklung gewaltsam abgebrochen.

Der Pianist und Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov wurde 1963 im sibirischen Magadan geboren, er wuchs in St. Petersburg auf und absolvierte dort die Spezialmusikschule (mit Goldmedaille). Danach setzte er seine musikalische Ausbildung am St. Petersburger Staatlichen Konservatorium fort (Konzertdiplom mit Auszeichnung). Seit 1992 lebt er in der Bundesrepublik Deutschland.

Er promovierte 2004 und habilitierte sich 2007. Nemtsov ist Mitglied des Instituts für Jüdische Studien an der Universität Potsdam und Akademischer Studienleiter des Kantorenseminars des Abraham Geiger Kollegs. Seine wissenschaftlichen Arbeiten konzentrieren sich auf jüdische Musik und jüdische Komponisten im 20. Jahrhundert. Er hielt zahlreiche Gastvorlesungen an verschiedenen deutschen Universitäten, in Österreich, Großbritannien, Israel, Kanada und in den USA. Seit 2011 ist er Mitglied des Editorial Board des Milken Archive of Jewish Music (Santa Monica/New York). 2011 übernahm er eine Gastprofessur für jüdische Musik und Kultur an der Universität Lüneburg. Zum Sommersemester 2013 wurde er als Professor für Geschichte der jüdischen Musik an die Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar berufen.

Als Pianist nahm Jascha Nemtsov insgesamt rund 30 CDs mit zahlreichen Weltersteinspielungen auf. Viele seiner CDs wurden international ausgezeichnet. Die CD mit Sonaten für Violine und Klavier von Shostakovich und Weinberg mit dem Geiger Kolja Blacher erhielt 2007 den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Am 27. Januar 2012 spielte er anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag.

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Ankündigung
Ankündigung_Vortrag Nemtsov.pdf (80,1 KB)  vom 08.05.2014

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